Fußballtradition im Industriegebiet – Ein Besuch bei der falschen Borussia

Am letzten Samstag hab ich mich spontan überreden lassen, mit zum Spiel Mönchengladbach gegen Hannover zu fahren. Dann ging es also am Sonntag-Mittag vom verschneiten Sauerland an den Niederrhein. Zu zehnt, mit 8 Gladbach -Fans einem eigentlichen Köln-Fan und eben mir als BVB-Fan.

Anreise

Nach zweieinhalb Stunden Zugfahrt war, mit drei Kisten Bier im Gepäck, war Gladbach-Hauptbahnhof erreicht, wo übrigens die Pizzabrötchen gut schmecken. Von dort aus ging es direkt zur Humboldtschenke, wo die Gladbach-Fans sich auf Spiel einstimmen. Erlesenes Liedgut („Cologne, Cologne die Scheiße vom…“, oder der Klassiker „Sieben Tage brennt der Kölner …) verdeutlichte sofort die ausgeprägte Rivalität zwischen den Rheinmetropolen, die hier offenbar genauso gepflegt wird, wie die Rivalität zwischen Dortmund und Schalke.

Ich als neutraler Betrachter, kann sagen eine durchaus gemütliche, stimmungsvolle Fankneipe in einem sonst eher trostlosen Umfeld am Bahnhof. Bei günstigen Bierpreisen (1,50€ für 0,25l Bier) lässt es sich hier aushalten.

Stadion im Borussia Park – hat was von „Matrix Reloaded“

Von dort aus ging es dann per Shuttle-Bus zum ca. 6 km entfernten Stadion im Borussia Park, welches auf einem ehemaligen Kasernengelände erbaut wurde. Es fahren ausschließlich Shuttle-Busse, was daran liegt das Gladbach offensichtlich weder über eine S- noch U-Bahn verfügt. Die Hinfahrt verlief immerhin ohne große Probleme. Am frühen Abend wirkt das Stadion durch grün-leuchtende LED´s sehr modern. Bei näherem Betrachten erkennt man die einfache Betonbauweise welche durch die lediglich 87 Mio. € Baukosten zu erklären ist. Eine Parallele zum Dortmunder Westfalenstadion, das ja im Jahr 1974 ebenfalls als einfache Betonkonstruktion für damals 31 Mio. Mark errichtet wurde. Im Gegensatz zur 390 Mio. teuren Allianz Arena in München war das Stadion im Borussia Park ein echtes Schnäppchen. Im Umfeld des Stadions gibt es nur ein paar Imbissbuden die eher an eine Kirmes erinnern, als an ein Fußballspiel. In Mainz soll es ja ähnlich aussehen. Ein generelles Problem der Stadien „auf der grünen Wiese“, mit dem „Worst Case“ in Hoffenheim

Stimmung nur vor dem Spiel

Unsere Plätze befanden sich auf dem Oberrang in der Nord-West-Ecke. Von dort aus hat man einen guten Blick auf die Nordkurve, die eigentlich eine Gerade ist, und auch auf das Spielfeld. Beim Einmarsch kam im ganzen Stadion Stimmung zum Klassiker „Elf vom Niederrhein auf“. Während dem Spiel ging lediglich von der Nordkurve etwas Atmosphäre aus. Ansonsten nahmen die meisten der Zuschauer das Geschehen auf den Rängen doch recht teilnahmslos zur Kenntnis. Geboten wurde allerdings auch fade Fußballkost. Hannover verhielt sich völlig passiv und Gladbach spielte sehr vielen Fehlpässe bei ihrem Angriffsversuchen. Dennoch konnte Gladbach auch aus meiner Sicht verdient gewinnen. Dennoch ein schwaches Spiel der beiden ehemaligen Europa-League-Teilnehmer. Kein Wunder, dass die nicht mehr dabei sind, dachte ich mir.

Nicht zu vergleichen mit der Stimmung Dortmund, muss man klar sagen. Ob es am Sonntagabend-Termin oder am schlechten Spiel lag ich weiß es nicht. Trotzdem herrscht in Dortmund bei jedem Spiel was ich bisher gesehen habe eine bessere Stimmung. Die Nordkurve wirkt im Vergleich zur Südtribüne in Dortmund, doch sehr klein.

Chaotische Heimreise

So weit so gut. Wie ein vernünftiger Fan es macht, man geht natürlich nicht vor dem Abpfiff aus dem Stadion. Das sollte uns noch zum Verhängnis werden. An den Bushaltestellen angekommen, bot sich uns ein erschreckendes Bild. Eine riesige Menschenmenge wartet darauf, von zugegebenermaßen schon vielen, aber bei Weitem nicht genug, Bussen abtransportiert zu werden. Ich habe zwar noch nie so viele Busse gesehen. Allerdings wollen über 40 000 Leute erst einmal bewegt werden.

Shuttle-Busse – viele sind nicht genug

Der späte Anstoßtermin tat sein Übriges. So kamen wir so spät zum Hauptbahnhof (ca. 20:40h), dass unser letzter Zug nach Hagen verpasst wurde. Dadurch wurden wir gezwungen über Köln bis nach Siegen zufahren. Egal mit zwei günstigen Kisten Bier (zs. 60€) machten wir uns auf den Weg. Das Ganze noch mal mit lockeren 50 Minuten Aufenthalt in Köln. Ab Siegen ging es dann noch eine halbe Stunde per Taxi nach Hause. Sowas hab ich in Dortmund noch nie erlebt. Da sieht man doch dass selbst eine überfüllte S-Bahn Gold wert ist. Ich frage mich ernsthaft wie man ein Stadion ohne eine vernünftige Verkehrsanbindung bauen kann. In Dortmund sind auch wegen der Westfalenhallen ja genug Parkplätze und S-Bahnverbindungen vorhanden. Da muss in Gladbach nachgebessert werden. Per PKW kommt man vom Borussia-Park wohl auch nicht zügig weg, wie mir berichtet wurde.

Fazit

Erst mal ist ein Bundesliga-Spiel ohne emotionale Verbindung zu einem der Vereine nur die Hälfte wert. Dazu haben wir in Dortmund wirklich ein besonderes Stadion mit Südtribüne und einer tollen Atmosphäre. Mag sein, dass man in Gladbach auch schon stimmungsvollere Spiele gesehen hat, aber für mich ist und bleibt Dortmund die Nr.1 in Deutschland. Ansonsten so ne Tour nach dem Motto „Kann man mal machen“ oder „der Weg ist das Ziel“. Ein Blick über den Teller-Rand zeigt manchmal eben auch, dass es wo anders keineswegs besser ist. Ich war vor Jahren z.B. mal in Köln im Stadion (letztes Enke-Auswärtsspiel). Dort fand ich das Gesamtpaket aus Stimmung, Drumherum und Fußball etwas besser als in Gladbach. Aber ist ja sowieso alles subjektiv…

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