Wie viel BVB passt in die Nationalelf? – Teil 2: Mittelfeld/Sturm

Die Einsatzmöglichkeiten der Dortmunder Spieler sind abhängig von ihren jeweiligen Positionen im System der Nationalmannschaft. Wir gehen im Mittelfeld von zwei Sechsern bzw. Achtern im Zentrum sowie zwei offensiven Außenspielern und einem offensiven Mittelfeldspieler in der Zentrale aus. Dazu kommt ein Stürmer (4-2-3-1).

Götze Özil

Götze vor Özil, neben Özil oder für Özil?

EURO 2012 – Wer spielte wo?

Um für die Zukunft der Nationalelf eine Aussage treffen zu können blicken wir zunächst zurück zur EURO 2012 und den verschiedenen Aufstellungen im Mittelfeld/Sturm. Bei der EURO veränderte sich die Startelf im Gegensatz zu vorherigen Turnieren im Turnierverlauf erheblich. Grund dafür ist die Fülle von starken und teilweise sehr unterschiedlichen Spielertypen, die eine exakte Anpassung des eigenen Systems an die Spielweise des jeweiligen Gegners möglich macht.

Die Viererkette präsentierte sich während der EURO bis auf den Einsatz von Lars Bender als Rechtsverteidiger gegen Dänemark durchgehend in der Aufstellung Lahm, Badstuber, Hummels und  Boateng.

Die zentralen Mittelfeldspieler mit freier Aufgabenverteilung als 6er/8er blieben mit Schweinsteiger/Khedira komplett unverändert während des Turniers. Wobei Khedira eher offensiv/vertikal und Schweinsteiger eher defensiv/horizontal agierte. Schweinsteiger hatte zudem mit mangelnder Fitness zu kämpfen. Khedira überragte dagegen mit seiner Dynamik.

Die vier offensiven Spieler wurden ab dem Viertelfinale variabel an die Spielweise der Gegner angepasst.

Deutschland : Portugal 1:0, Deutschland : Niederlande 2:1, Deutschland : Dänemark: 2:1

Gomez

Podolski              Özil                        Müller

Deutschland : Griechenland 4:2 (Viertelfinale)

Klose

Schürrle               Özil                        Reus

Deutschland : Italien 1:2 (1. HZ) (Halbfinale)

Gomez

Podolski              Kroos                   Özil

Deutschland : Italien 1:2 (2. HZ)

Klose

Kroos                   Özil                        Reus

Gegen Griechenland harmonierten Reus und Özil sehr gut, da sie ihre Positionen zusammen mit Klose häufig veränderten und dadurch schwer zu fassen waren. Podolski kann nur seine Position auf Links oder maximal in der Spitze spielen, Rochaden auf Rechts sind mit ihm nicht zu machen.

Beim Italien-Spiel sollte Kroos Pirlo ausschalten, was zunächst auch gut funktionierte. Gomez und Podolski hingegen kamen überhaupt nicht ins Spiel. Mit den Halbzeit-Einwechslungen von Reus und Klose konnte Deutschland die Italiener mit Positionswechseln und Kombinationen vor Probleme stellen.

Ich glaube gerade der Unterschied des Griechenland-Spiels und der zweiten Halbzeit gegen Italien gegenüber der ersten Halbzeit gegen Italien machte Löw in seiner Aufarbeitung der EURO nachdenklich. Wie sollte man in Zukunft auftreten? Die große Anzahl an technisch, starken, variablen Offensivspielern muss für das deutsche Spiel besser genutzt werden. Der bei der EURO nicht fitte Götze sowie der immer stärker aufspielende Draxler kommen ja noch dazu.

Was bedeutet das für die zukünftigen Aufstellungen?

Zunächst wird Löw an seiner 6er/8er Kombination Schweinsteiger/Khedira festhalten. Gündogan überzeugte zwar gegen Frankreich und in der Champions-League. Gegen Frankreich konnte er als spielstarker sehr dynamischer Sechser/Achter glänzen. Aber um Schweinsteiger mit hundertprozentiger Fitness zu verdrängen reicht es einfach noch nicht. Khedira vereint starke Offensive mit defensiver Stärke. Sven Bender wäre dagegen die klar defensivere Absicherung die sich Hummels manchmal wünschen würde. Abhängig vom Spielverlauf könnte Bender hier auf Einsätze kommen. Er konkurriert dabei allerdings noch mit seinem (etwas offensiveren) Bruder.

Für die Einsätze auf den vier offensiven Positionen kommen vom BVB Großkreutz, Götze und Reus in Frage.

Für Kevin Großkreutz scheint die Tür zur Nationalmannschaft im Moment verschlossen zu sein. Beim BVB wird er zunehmend zum „Mädchen für Alles“. Damit kann er sich nicht auf einer Position für den DFB empfehlen. Zudem fehlt es an technischen Fähigkeiten. Ich finde trotzdem, dass so ein Spielertyp, der kämpft und ackert wenn es nötig ist und dazu das Pressing/Gegenpressing perfekt beherrscht bei einem Turnier wichtig werden könnte. Nur mit filigranen Technikern ein Turnier zu gewinnen scheint mir ein schöner Traum zu sein. Zur Not muss auch mal eine 1:0 Führung über die Zeit gebracht werden. Dafür wäre Kevin eine gute Alternative. Zudem könnte er mit seinem Umschaltspiel bei Kontern für Gefahr sorgen. Es bleibt abzuwarten ob Löw ihn nochmal beruft. Sein letztes Länderspiel war am 09.02.2011 gegen Italien.

Mario Götze kam nach einer langen Verletzung zur EURO und fand nicht zu seiner Top-Form. Zuvor hatte er einige starke Auftritte wie z.B. gegen Brasilien wo er auf der Zehn für Özil spielte und mit einem Traumtor sowie einem Superspiel glänzen konnte.

In letzter Zeit wurde Götze z.B. gegen die Niederlande von Beginn an als „falsche Neun“ getestet. Löw experimentiert hier ganz klar wie er Götze einbauen kann. Reus, Özil und Müller scheinen dahinter gesetzt zu sein. Im Sturm ergibt sich mit Gomez der nicht 100% in die Philosophie passt, da er nicht ganz so kombinationsstark und wendig ist, und dem alternden Klose eine Möglichkeit für Götze. Zudem empfiehlt sich kein junger Stürmer für diese Rolle. Petersen oder Volland könnten, wenn sie noch eine Sprung machen eine Option werden. Möglicherweise sogar Lassogga. Kießling hingegen wird kein Länderspiel mehr machen, da ihm auf internationalem Niveau die Klasse fehlt und er als Spielertyp (braucht viele Flanken) nicht zu Löws Plan passt. Die Experten von Spielverlagerung.de gehen davon aus, dass Löw gegen Nationen mit starken Innenverteidigern eher auf Gomez oder Klose setzt, da diese im Angriffspressing stärker sind. Wobei Götze da auch seine Qualitäten hat. Mit Götze könnten alle vier offensiven Spieler ihre Positionen flexibel interpretieren.

Marco Reus konnte sich nach der EURO als Stammspieler etablieren. Meiner Meinung nach ist dies eine Folge von Löws EURO-Aufarbeitung, bei der Reus gut weggekommen sein sollte. Reus spielte nach der EURO sofern er fit war meist auf der linken Außenbahn, wie auch beim BVB. Gegen Irland erzielte er beim 6:1 einen Doppelpack. Er hat ganz klar Podolski verdrängt. Schürrle dürfte zunächst auch erst einmal hinten anstehen und als Einwechseloption dienen. Reus besticht durch seine gefährlichen Standards, Tempodribblings und seine gute, präzise Schusstechnik (siehe Tor gegen Griechenland bei der EURO)

Starker Auftritt von Reus gegen Irland beim 6:1

Fazit:

Für mich sind Hummels und Reus, wenn sie fit sind, gesetzt. Schmelzer muss in den kommenden Länderspielen überzeugen. Er hat eigentlich keine Konkurrenz. Es stehen sonst nur gelernte Innenverteidiger auf Links zur Verfügung.

Gündogan und Bender sind auch nur Optionen wenn Khedira oder Schweinsteiger ausfallen. Wobei Gündogan die Nase vorn hat, nicht zuletzt wegen des Frankreich-Spiels.

Götze steht an der Grenze zur Startelf. Je nachdem ob Löw auf einen echten Stürmer setzt oder das spanische System favorisiert. Kloses zunehmende Verletzungsanfälligkeit könnte Götze mehr Chancen eröffnen. Wer weiß außerdem ob Gomez in Zukunft bei Bayern oder woanders genug Spielpraxis bekommen wird. Demnach hat Götze gute Karten, gerade wenn er in den kommenden Spielen überzeugt. Bei allem Hurra-Fußball muss allerdings die Defensive oberste Priorität haben. Spanien ist seit 10 (!) K.O.-Spielen ohne Gegentor. Zidane war 2006 der letzte der in K.O.-Spielen gegen sie traf. Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive…

Warten wir mal ab wie die Spiele gegen Kasachstan verlaufen und ob die BVB-Spieler sich empfehlen können.

Teil 1 der Analyse mit Torwart und Viererkette gibt es hier:

https://vollgasveranstaltung.wordpress.com/2013/03/20/wie-viel-bvb-gehort-in-die-nationalelf-teil-1-viererkette/

Quellen: kicker.de, transfermarkt.de, spielverlagerung.de, youtube.de, dfb.de

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