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Wie viel BVB passt in die Nationalelf? – Update 13.11.2015

Passend zum Länderspiel-Doppelpack gegen Frankreich und die Niederlande gibt es hier wieder aktuelle Einschätzungen auf die Frage: Welche Spieler von Borussia Dortmund spielen in der deutschen Nationalmannschaft eine Rolle im Hinblick auf die EM 2016 in Frankreich?

Tor

Roman Weidenfeller

Die langjährige Nr. 1 des BVB ist im Verein in der Bundesliga nur noch Ersatz hinter Neuzugang Roman Bürki. Wie von Andreas Köpke angekündigt, rücken nach der U21-EM auch beim DFB jüngere Keeper nach. Bernd Leno hat sich die Nominierung durch Topleistungen, auch in der Champions League, absolut verdient. Kevin Trapp und Marc-André ter Stegen können inzwischen auch CL-Erfahrung vorweisen.

Für Weidenfeller ist das Kapitel Nationalelf geschlossen. In Erinnerung bleiben wird sein vorbildliches Verhalten bei der WM in Brasilien.

Abwehr

Mats Hummels

Der BVB-Kapitän ist an der Seite von Jerome Boateng gesetzt. In Sachen Fitness tritt er stark verbessert zur Vorsaison auf. Sein nach wie vor vorhandens Geschwindigkeitsdefizit gleicht er wie gewohnt meist durch gute Übersicht, Antizipation und Stellungsspiel aus. Wie Hummels selbst bestätigte, hat sich die neue Spielweise von Dortmund, mit größeren Fokus auf Ballbesitz, der DFB-Spielphilosophie angenähert. Zuletzt wurde Hummels wegen leichter Fehler im Aufbau- und Stellungsspiel kritisiert. Ähnlich wie bei Torhütern wird hier vielleicht die eine schlechte Aktion die zum Gegentor führt überbewertet. Dagegen bleiben die zwanzig guten Pässe im Aufbau, von denen einer zum Torerfolg führt, den Zuschauern weniger im Gedächtnis.

Nach dem Rücktritt von Per Mertesacker stehen Boateng und Hummels in der Hierarchie über den anderen Innenverteidigern. Dahinter warten Skodran Mustafi (Valencia) und Ex-BVB-Jugend-Spieler Antonio Rüdiger (AS Rom) auf ihre Chance. Weitere Kandidaten sind Niklas Süle und Jonathan Tah, der jetzt in Leverkusen erste Champions League-Erfahrung sammeln kann. Matthias Ginter wird aktuell eher zum Kandidat für die Rechtsverteidiger-Position.

Für Löw wäre auch eine Dreierkette bestehend aus Boateng, Hummels und Badstuber interessant. Das wäre eine sehr spielstarke Kombination und dazu bliebe noch Platz für einen weiteren starken Mittelfeldmann. Solange Badstuber nicht bei 100% ist, bleibt das nur ein Gedankenspiel. Natürlich wäre dies auch vom Gegner abhängig. Badstuber hat auf Außen, wie bekannt, auch Geschwindigkeitsnachteile.

Momentan baut Löw auf eine Viererkette aus Ginter – Boateng – Hummels – Hector.

Matthias Ginter

Eine neue Perspektive ergibt sich, wie erwähnt, möglicherweise für Matthias Ginter. Um die seit dem Rücktritt von Philipp Lahm vakante Rechtsverteidiger-Position ist der Kampf eröffnet. Beim BVB für den verletzten Piszczek ins Team gerutscht, präsentierte er sich als starker Vorbereiter und glänzte sogar als Torschütze. Bei der WM 2014 setzte Löw auf vier gelernte Innenverteidiger in der Viererkette. Ginter könnte als eine Mischung aus torvorbereitendem Außenverteidiger und kopfballstarkem Innenverteidiger (Thema Standards) ins Team rutschen. Das hängt allerdings auch stark davon ab, ob er beim BVB Piszczek dauerhaft verdrängen kann. Zudem profitiert er beim BVB vom „Überladen“ der linken offensiven Seite. Unter anderem durch gezielte Seitenverlagerungen (u.a. von Schmelzer, Kagawa) auf die rechte Seite, wird Ginter beim BVB in Szene gesetzt. Ob das beim DFB so geplant ist scheint unsicher.

Jogi Löw testete zuletzt in den Spielen gegen Schottland mit Emre Can einen eher „spielmachenden“ Rechtsverteidiger. Auch Sebastian Rudy als gelernter defensiver Mittelfeldspieler bekam seine Chancen. Hier bleibt abzuwarten auf welchen Spielertyp der Bundestrainer setzt. Bei der 0:1-Niederlage gegen Irland stand Ginter, wie beim 2:1 gegen Georgien in der Startelf. Beide Spiele können nicht als Maßstab gesehen werden. Die kommenden Testspielen gegen die Niederlande und Frankreich könnten schon mehr Hinweise liefern, wie es mit Ginter in der Nationalelf weitergeht.

Erik Durm

Durch seine lange Verletzungsserie muss er alle Hoffnungen auf die Rückrunde setzen. Allerdings sind sowohl beim BVB als auch bei der Nationalelf einige Konkurrenten an ihm vorbeigezogen. Nicht zuletzt Matthias Ginter. Er muss sich in der Rückrunde erst einmal in den BVB-Kader zurückkämpfen. Dann wir man sehen wo die Reise hingeht. Mit dem Wiedereinstieg in das Mannschaftstraining Mitte November hat er den ersten Schritt zum Comeback beim BVB gemacht.

Marcel Schmelzer

Der Linksverteidiger blüht unter Thomas Tuchel auf und profitiert vom neuen Spielsystem des BVB und seiner neuen Rolle als „Flügelstürmer“. Jogi Löw setzt zurzeit auf den Kölner Jonas Hector als Linksverteidiger. Wobei sich der Bundestrainer nicht scheut komplett ohne „gelernte“ Außenverteidiger aufzulaufen, wie das Beispiel der WM in Brasilien zeigt. Hector ist nach Schmelzer, Aogo, Pander etc. der nächste Test-Kandidat, der zudem im Verein noch keine internationale Erfahrung sammeln konnte. Inwieweit er höchsten internationalen Ansprüchen genügt, müssen u.a. die beiden kommenden Testspiele zeigen.

Mittelfeld

Ilkay Gündogan

Nach der langen Verletzungspause wegen seiner Rückenverletzung ist Ilkay aktuell wieder in Top-Form. Beim BVB auf einer offensiven Achter-Position agiert er wieder so dynamisch wie zuletzt in der Saison 2012/13. Sein Problem könnte mehr der Status als die Klasse eines Bastian Schweinsteiger werden. Dazu heißen seine Konkurrenten Khedira, Kroos und Kramer. Im letzten Länderspiel er bekam er eine Chance der „Zehn“. Er ist wie gemacht für die Spielphilosophie des DFB und aus dem EM-Kader 2016 nicht wegzudenken. Jogi Löw freut sich mit Sicherheit über die vielen Optionen die ihm Gündogan ermöglicht. Ilkay Gündogan ist mit Sicherheit ein wesentlicher Bestandteil im Plan des Bundestrainers für die EM 2016.

Marco Reus

Der Fußballer des Jahres von 2012 war vor der WM 2014 in Top-Form. Nur eine Verletzung in letzter Minute verhinderte seinen Auftritt auf großer Bühne. Seine Schusstechnik und Ballkontrolle in höchstem Tempo machen ihn für Jogi Löw unverzichtbar. Ihm ist zu wünschen, dass er mal längere Zeit verletzungsfrei bleibt. Kaum ein Spieler ist so abhängig vom Rhythmus wie er. Nach seiner Zehenverletzung gerade wieder in Schwung gekommen, stoppte ihn kurz vor dem Revier-Derby ein Muskelfaserriss im Adduktorenbereich. Für die Länderspiele gegen die Niederlande und Frankreich ist der damit kein Thema. Im Hinblick auf die EM 2016 wäre flexible Offensiv-Besetzung mit Reus, Götze, Özil und Müller wäre für jeden Gegner schwer auszurechnen. Dahinter lauern die aufstrebenden Bellarabi und Sané. André Schürrle wird bald seinen WM-Kredit aufgebraucht haben. Wenn das Leistungsprinzip greift, muss er sich erst mal hinten anstellen. Von Lukas Podolski wollen wir gar nicht erst reden.

Julian Weigl

Der „Balance-Spieler“ ist inzwischen ein wichtiger Baustein im Spiel des BVB. Er ist der Nachfolger von Sebastian Kehl, als Meister des einfachen, aber für das Aufbauspiel wichtigen Passes im Zentrum des Spiels. Er versteht es wie kaum ein Zweiter immer anspielbar zu sein und ist somit ein wichtiger Baustein im Konzept von Thomas Tuchel. Der 20-jährige Shootingstar des BVB wurde zuletzt mit Einsätzen bei der U21 belohnt. Hält er sein Niveau, könnte er vielleicht eine Überraschung für den EM-Kader 2016 sein. Durch die vielen Einsätze kann er enorme Erfahrung sammeln. Andere Talente auf seiner Position (z.B. Kimmich) sind teilweise noch Ergänzungsspieler. Nicht zuletzt in der hitzigen Schlussphase des Derbys half er mit das Ergebnis mit einigen klugen Aktionen, u.a. an der Eckfahne das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Die Formkrise von Christoph Kramer nach seinem Wechsel zu Bayer Leverkusen kann vllt. eine kleine Chance für ihn sein.

Momentan kämpft Weigl zusammen mit Kimmich und einen Platz in der U21 des DFB. Verläuft Weigls Entwicklung ähnlich wie in den letzen Monaten hat er in Zukunft gute Chancen auf einen Platz in der A-Elf des DFB.

Gonzalo Castro

Beim Neuanfang nach 13 Jahren Bayer04 betonte Castro auch das Kapitel DFB sei für ihn noch nicht abgeschlossen. In Dortmund musste er sich, was völlig normal ist, erst mal zurechtfinden. Beim 7:1 Pokalerfolg gegen Paderborn hat sich Castro endlich „freigespielt“. In offensiverer Position fühlt er sich wohl und glänzte seit dem mehrfach als Torschütze und Vorbereiter. Dass eine der heiß umkämpften Positionen im DFB-Mittelfeld frei wird scheint kaum möglich. Castro ist derzeit kein Thema beim DFB. Für Dortmund wird er dagegen enorm wichtig werden. Durch seine wiedergewonnene Form kann in der offensiven Dreierreihe fast ohne Qualitätsverlust rotiert werden.

Sven Bender

Hart gesagt war er zunächst ein “Opfer des Systems” unter Neu-Trainer Thomas Tuchel. Statt klassischer Doppel-Sechs gibt es jetzt mit Julian Weigl nur noch einen zentralen Spieler vor der Abwehr. Seine Situation ist vergleichbar mit der von Javi Martinez beim FC Bayern. Einst bildete er mit Schweinsteiger eine Weltklasse-Doppel-Sechs und gewann das Triple. Unter Guardiola ist seine Rolle als perfekter Spieler für Balleroberungen nicht mehr so gefragt wie einst unter Heynckes.

Die Frage ist, wo der Weg von Sven Bender hinführt, sollten seine Einsatzzeiten so gering bleiben. Momentan rückt er beim BVB auch schon mal in die Innenverteidigung. Mit der Rückkehr von Nuri Sahin wird er es im zentralen Mittelfeld noch schwerer haben. Ein Platz im DFB-Team ist in weiter Ferne. Seit einigen Wochen hat man zumindest das Gefühl, Tuchel ist zufrieden mit der Entwicklung von „Manni“. Er bekommt langsam wieder mehr Einsatzminuten.

Sturm

Im Sturm müssen wir uns wohl noch ein paar Jahre gedulden. Janni Luca Serra macht im Moment in der U19 von BVB und DFB auf sich aufmerksam. Vorsicht ist geboten, denn der Sprung in den Profi-Bereich muss nicht immer reibungslos verlaufen. Marvin Ducksch (derzeit BVB II) ist da das beste Beispiel. Mal ist ein Spieler zur falschen Zeit am falschen Ort und mal kommen Verletzungen dazwischen. Im Sturm geht es Dortmund nicht anders als der Nationalelf. Der „deutsche Lewandowski“ muss erst noch gefunden werden. Mario Gomez ist es jedenfalls nicht.

Fazit

Mats Hummels hat einen Stammplatz.  Marco Reus, wenn er fit ist, sollte ebenfalls gesetzt sein. Ginter hat eine realistische Chance, sich als Rechtsverteidiger zu etablieren. Ilkay Gündogan ist eine wichtige Option und nah dran an der ersten Elf. Schmelzer und Weigl können sich aufgrund guter Leistungen berechtigte Hoffnungen machen, während Sven Bender und Gonzalo Castro aktuell weit entfernt vom DFB-Team sind. Für Roman Weidenfeller ist das Kapitel DFB beendet.

Wir dürfen gespannt sein, wie die Entwicklung der BVB-Kandidaten für die Nationalelf bis zur EM im Sommer verläuft.

Und mal im Ernst…

Eine Nationalelf nur aus BVB-Spielern würde sich zumindest locker für die EM qualifizieren…

Weidenfeller – Durm, Ginter, Hummels, Schmelzer – Weigl, Bender, Gündogan, Castro, Hofmann – Reus

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Wie viel BVB passt in die Nationalelf? – Update Oktober 2014

Roman Weidenfeller

Roman Weidenfeller ist momentan die unumstrittene Nummer zwei des DFB. Bei der WM in Brasilien erfüllte er diese Rolle mit seiner ganzen Routine und Erfahrung. Er ist kein Unruheherd und kann im Bedarfsfall für Manuel Neuer einspringen. Die potentiellen Kandidaten für den Posten der Nr.2 hinter Neuer, Bernd Leno und Marc-André ter Stegen sind momentan bei der U21 eingeplant, die sich zunächst für die U21-EM 2015 und dann für das große Ziel Olympia 2016 in Rio qualifizieren will. Wird dieser Plan erfüllt, könnte Weidenfeller voraussichtlich erst 2016 als Nr.2 abgelöst werden. Bis dahin sind natürlich einzelne Nominierungen von Leno und ter Stegen nicht ausgeschlossen. Auch Kevin Trapp könnte ein Thema werden. Im Jahr 2016 läuft auch Romans Vertrag beim BVB aus. Dann wird man sehen ob Dortmund ihn eventuell durch einen spielstärkeren Torwart wie Trapp oder einen vielleicht bei Barcelona gescheiterten ter Stegen ersetzt.

Erik Durm

Eigentlich sollte Erik Durm in der zweiten Mannschaft des BVB als Rechtsverteidiger ausgebildet werden. Durch die Verletzungen von Marcel Schmelzer kam er zu zahlreichen Einsätzen als Linksverteidiger bei den Profis, die er u.a. in der Champions League gegen Real Madrid mit Bravour meisterte. Dadurch hatte ihn plötzlich Joachim Löw auf dem Zettel. In der WM-Vorbereitung machte er auf sich aufmerksam, fuhr statt des abermals verletzten Schmelzer mit nach Brasilien und wurde Weltmeister. Nach sehr kurzer Vorbereitung wegen der WM musste Durm abermals den verletzten Schmelzer vertreten. Allerdings schwankten seine Leistungen zuletzt stark. Für den DFB scheint er nach der WM das „Testobjekt Nr.1“ auf der Linksverteidiger-Position zu sein. Mit mehr oder weniger großen Erfolg durfte er gegen Argentinien und Schottland ran. Joachim Löw gab ihm trotzdem erneut die Chance im Länderspiel gegen Polen. Erneut unterlief ihm ein Fehler, der zum 2:0 führte. Löw betonte im Nachhinein, dass solche Fehler zur Entwicklung gehören und Durm die nötige Zeit erhalten wird. Erik Durm hat auf jeden Fall das Potential, u.a. aufgrund seiner Athletik, ein Klasse-Außenverteidiger zu werden. Hoffen wir, dass Marcel Schmelzer wieder fit wird und Durm die nötige Zeit hat sich die Form der letzten Saison wieder zu erarbeiten. Die Liste der unter Löw gescheiterten Linksverteidiger-Kandidaten ist allerdings lang: Aogo, Jansen, Schmelzer (?). Nicht, dass er sich da irgendwann einreiht. Beim enttäuschenden 1:1 gegen Irland konnte Durm mit einem Lattenkracher aus 32 Metern auf sich aufmerksam machen. Zudem leitete er das 1:0 durch einen beherzten Sprint über die Außenbahn ein. Ich würde ihm eine ordentliche Leistung bescheinigen. Die „Fachpresse“ BILDet sich da aber eine andere Meinung.

Marcel Schmelzer

Während der letzten Saison oft von Verletzungen zurückgeworfen, verlor er auch seinen Platz im Nationalteam. Die WM fand ohne ihn statt. Zuletzt setzte ihn ein Handbruch außer Gefecht. Löw gab ihm viele Chancen sich als Linksverteidiger zu etablieren. Leider nutzte er diese kaum. Für ihn schient die DFB-Elf die nächste Zeit kein Thema zu sein. Viel wichtiger ist es für ihn verletzungsfrei zu werden und zu alter Stärke zurückzufinden. Dann kann vielleicht auch Jogi Löw nicht mehr an ihm vorbei. Schmelzer kann sich täglich mit Erik Durm messen, im Idealfall pushen sich beide und erreichen einen konstant höheren Level.

Kevin Großkreutz

Vor der WM als Skandal-Profi abgestempelt, während der WM zumeist in der Rolle des Spaßvogels, gehörte Großkreutz zu den WM-Touristen in Brasilien. Laut Aussage von Großkreutz selbst, sowie Jogi Löw wird er gegen Polen und Irland geschont und erhielt deshalb keine Einladung. Kritiker sehen in ihm aufgrund seiner technischen Schwächen keine Verstärkung für die Nationalelf. Sein großes Plus, seine Flexibilität, wird ihm wie einst Torsten Frings vielleicht zum Verhängnis. Beim BVB findet er sich meist in der Rolle des „Luxus-Notnagels“, dem eigentlich niemand einen Stammplatz zutraut. Dennoch machte Großkreutz in der letzten Saison fast alle Spiele und überzeugte auf der Rechtsverteidiger-Position als Pisczcek-Vertreter sogar in der Champions-League. Diese Leistungen brachten ihm das Ticket für Brasilien ein. Momentan spielt er wieder links-offensiv beim BVB. Dort dürfte er beim DFB keine Chance haben. Man wird abwarten müssen wie Löw mit ihm plant. Beim wenig ernstzunehmenden Test-Kick gegen Argentinien konnte sich Großkreutz nicht als Rechtsverteidiger empfehlen. Für ein Turnier kann es aber immer wichtig sein, jemand wie Großkreutz oder auch Podolski im Kader zu haben. Nicht nur als Spaßvogel, sondern auch als Spieler der der sich von anderen durch sein Auftreten unterscheidet. Je nach Spielverlauf braucht auch die Nationalelf mal einen Spieler der wie ein „Verrückter“ kämpft und sich in den Dienst des Teams stellt. Im WM-Finale wäre es fast soweit gewesen…

Mats Hummelsbeliebtheitsskala-mats-hummels

Während der WM entwickelte sich Mats Hummels endgültig zum unumstrittenen Abwehrchef der DFB-Elf. Trotz kleinerer Blessuren konnte er der WM seinen Stempel aufdrücken. Hummels erzielte zwei Tore und trat sehr zweikampf- und spielstark auf. Gegen Ende der WM, im Finale quälte er sich mit muskulären Problemen, verließen ihn die Kräfte. Auch Hummels startete mit verkürzter Vorbereitung ins Spieljahr 14/15. Allerdings erlitt er einen Rückschlag und musste mit Oberschenkelproblemen pausieren, bis er gegen Stuttgart sein Comeback geben konnte. In der Nationalelf ist er momentan gesetzt, sofern er fit ist. Seine Spieleröffnung und seine Zweikampfstärke ergänzen sich gut mit dem athletischen Boateng an seiner Seite. Nach dem Last-Minute-Gegentreffer gegen Irland wurde Hummels kritisiert, er sei nicht nah Genug bei seinem Gegenspieler gewesen. Dabei stand Hummels nur am Ende einer Fehlerkette der deutschen Mannschaft die in den letzten fünf Minuten das Spiel aus der Hand gab.

Sven Bender

Iron-Manni wurde Sven Bender schon von den BVB-Fans getauft. Sicher eine Anspielung auf die diversen Nasenbeinbrüche, die Sven Bender nicht davon abhielten weiterzuspielen. Im Frühjahr stoppte ihn allerdings eine Schambeinentzündung. Die Saison 13/14 war für ihn vorzeitig beendet. Nach einigen Nationalelf-Einsätzen in den letzten Jahren konnte er dort nie richtig Fuß fassen. Im Gegensatz zu seinem Bruder verpasste er die Euro 2012. Für ihn gilt es nach einigen kleineren Rückschlägen, u.a. Adduktorenproblemen, wieder topfit zu werden. Dann könnte er auch wieder ein Thema für Jogi Löw werden. Wenn auch eher in der Rolle des Ergänzungsspielers. Denn andere Kandidaten wie z.B. sein Bruder Lars oder Christoph Kramer haben ihm erst mal den Rang abgelaufen. Für ihn ist es besonders wichtig, dass Dortmund auf seiner Position die Belastungen in englischen Wochen verteilen kann.

Matthias Ginter

Neuzugang Matthias Ginter rutschte zu Beginn der Saison durch die Verletzungsmisere des BVB in die Startelf. Jürgen Klopp wollte seinem Youngster eigentlich die nötige Zeit zur Eingewöhnung geben. Allerdings war er gezwungen Ginter ins kalte Wasser zu schmeißen. Der Ex-Freiburger konnte in seinen wenigen Einsätzen noch nicht an seine Top-Leistungen anknüpfen. Sollten alle vier Innenverteidiger des BVB fit sein, muss er sich erst mal hinten anstellen. In der Nationalmannschaft könnte er paradoxerweise nach dem Rücktritt von Mertesacker zu einer ernsthaften Alternative werden. Nicht zuletzt weil Löw die gelernten Innenverteidiger Rüdiger und Höwedes gerne auf den Außenpositionen einsetzt. Es bleibt abzuwarten wie viel Einsatzzeit Ginter im Verein erhält. Denn damit steht und fällt letztlich die Nationalmannschaftskarriere. Gegen Irland bekleidete Ginter den offensiven Part der Doppel-Sechs neben Toni Kroos. Allerdings fand er nicht wirklich Zugriff auf das Spiel in dieser neuformierten deutschen Mannschaft. Ein unglücklicher und undankbarer Auftritt, der bereits nach 45 Minuten beendet war.

Ilkay Gündogan

Ilkay Gündogan war auf dem besten Weg in der Nationalelf zu einer unverzichtbaren Stammkraft zu werden. Weltklasse Leistungen wie im Februar 2013 im Länderspiel gegen Frankreich, ließen den oft verletzten Bastian Schweinsteiger vergessen. Im August 2013 dann sein verhängnisvoller letzter Auftritt im Nationaldress. Beim 3:3 gegen Paraguay erzielte er ein Tor, musste aber dann verletzt ausgewechselt werden. Es folgte eine 14-montige Verletzungs-Odyssee die hoffentlich am kommenden Samstag mit dem Auswärtsspiel gegen den 1. FC Köln ihr Ende findet. Gündogan soll dann nach umfangreicher Vorbereitung und einigen Testspielen wieder zum BVB-Kader zählen. Joachim Löw weiß was er an Gündogan hat, gerade im Hinblick auf den Gesundheitszustand von Bastian Schweinsteiger. Der Bundestrainer erklärte kürzlich, er rechne Anfang 2015 wieder mit Ilkay Gündogan. Hoffen wir, dass er bis dahin zu alter Stärke zurückfindet und beim BVB und in der Nationalelf wieder zur festen und spielbestimmenden Größe wird.

Marco Reus

Der Pechvogel der letzten Monate was Länderspiele angeht, wird gegen Köln wieder auf dem Platz stehen. Vor der WM war er in Topform, dann folgte der Teilriss der Syndesmose gegen Armenien, welcher ihn die WM kostete. Gerade wieder fit, erlitt er gegen Schottland die nächste Sprunggelenksverletzung. Bleibt er in Zukunft verschont ist er auf der linken Seite noch vor André Schürrle gesetzt. Für die November-Länderspiele wird er vielleicht den Part des verletzten Özil in zentraler Position einnehmen, wie er es in der Rückrunde 13/14 schonerfolgreich für den BVB gespielt hat. Marco Reus kann für den BVB und für Deutschland den Unterschied ausmachen. Seine Standards und seine Tempo-Läufe mit Ball sind Verstärkung für jedes Team der Welt.

Jetzt bist du dran. Wie siehst du die Chancen der BVB-Akteure im DFB-Dress? Jetzt abstimmen.

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Wie Brasilien unter dem Druck zusammenbrach – Ein Erklärungsversuch

Es war alles bereitet für ein nationales Freudenfest im Selecao-gelb-erleuchteten Stadion von Belo Horizonte. Bei den Nationalhymnen klarer Punktsieg für die leidenschaftlich singenden Brasilianer.

Geradezu spürbar der Wille ein ganzes Volk glücklich zu machen und von den vielen Problemen im Entwicklungsland Brasilien abzulenken.

Dann der Anpfiff. Energischer Beginn der Brasilianer. Doch es wird sofort deutlich, Deutschland zieht ein gut organisiertes Pressing auf, schaltet schnell um. Die Angriffe der Brasilianer schlagen sofort in Gegenangriffe der Deutschen um. Da wird ihnen bereits klar geworden sein, dass es heute schwer wird gegen Deutschland.

Die Führung durch Müller versetzte der Selecao den ersten Nackenschlag. Klose hatte David Luiz weggeblockt. Müller steht plötzlich wie so oft im freien Raum. Zack, 1:0. Über den Köpfen der Brasilianer schienen bereits Fragezeichen zu schweben. „Verdammt, was machen wir jetzt?“.

In der 23. Minute fiel das 2:0, welches alle Schleusen öffnete. Auf den Rängen flossen die Tränen, die brasilianische Mannschaft war nun vollends am Schwimmen.

Was in diesem Minuten geschah, hatte mit einem normalen Fußballspiel auf Weltklasse-Niveau wenig zu tun. Brasilien hatte einen völligen Blackout. Grundlegende Abläufe im Fußball, geschweige denn im Profi-Fußball, waren wie weggefegt.

Mir fielen gleich einige ähnliche Situationen ein, in denen Sportler derart an sich selbst (alles Kopfsache!) gescheitert sind. Das passiert, soweit ich das beobachtet habe, immer dann wenn einige Einflussfaktoren zusammenkommen und eine besondere Drucksituation herrscht. Menschen die dann nicht stabil bleiben, wie es bspw. oft bei Oliver Kahn, Roger Federer oder Sebastian Vettel zu beobachten war/ist, brechen in ihrer sportlichen Leistung manchmal völlig zusammen.

Einige Beispiele:

  1. Felix Neureuther bei der Heim-WM
  • Neureuther beim Slalom scheiter an seinem Hausberg am Druck und der eigenen Erwartungshaltung. „Habe 5 Jahre daraufhin trainiert!“
  1. Sabine Lisicki im Wimbledon Finale
  • Gegen eine unorthodox Spielende Marion Bartoli findet Lisicki nicht ins Spiel, kämpft später mit den Tränen und verliert deutlich in zwei Sätzen. Ein Drama.
  1. Der HSV im März 2013 beim 2:9 in München

 

Für die Brasilianer kamen an diesem Abend denke ich folgende Faktoren zusammen:

  • überhöhte Erwartungshaltung im eigenen Land
  • soziale Spannungen im Land, das Land soll durch den Fußball vereint werden
  • die Verletzungen von Neymar und Thiago Silva den Eckpfeilern des Teams
  • unerwartete Situation durch den frühen Rückstand
  • vllt. Unterschätzen der mentalen Anforderung die so ein Turnier stellt

 

Ich denke wie bei den o.g. Beispielen ist immer entscheidend wie ein Sportler in den Wettkampf reinfindet. Neureuther machte einen Fehler in den ersten Toren, Lisicki kassierte früh ein Break. In Wettkämpfen die nicht unter solchen extremen Vorzeichen stattfinden, wäre es viel einfacher gewesen ins Spiel oder in den Lauf zurückzufinden. Auf solch einem hohen Level ist es wichtig in einen „Flow“ zukommen. Also einen Zustand in dem alles wie von selbst läuft und nahezu aus dem Unterbewusstsein agiert wird. Sven Hannawalds Vierfach-Triumpf bei der Vierschanzentournee oder perfekte Qualifiying-Runden in der Formel 1 fallen in diese Kategorie. Auch Felix Neureuther hatte solche Flow-Erlebnisse schon bei diversen Rennen (z.B. bei seinem Sieg im Riesenslaom 2014)

Wird dieser Flow jedoch nicht erreicht oder durch unvorhergesehene Ereignisse gestört, kann ein Sportler kurzfristig aus der Bahn geraten. Wird dann ein Gegentor, Break oder Fehler jeder Art nicht abgehakt und mental verarbeitet, setzt das ganze „System“ aus.

So geschehen bei den Brasilianern. Voller Einsatz und Wille ins Spiel gestartet, versetzte ihnen das 1:0/2:0 dermaßen einen Tiefschlag, auch aufgrund der o.g. Faktoren/Begleitumstände, sodass dann das ganze System im Chaos der Gedanken und emotionalen Enttäuschung zusammenbrach. Einfachste taktische Vorgaben wurden nicht mehr eingehalten, Abstände zu Gegenspielern waren riesengroß. Die Selecao, ganz Brasilien, wirkte wie paralysiert. Unter anderen Umständen, sagen wir bei einem Vorrundenspiel, hätte sich die Mannschaft sicher wieder gefangen, auch wenn sie mit 2:0 oder 3:0 verloren hätten. Neymar so meine Einschätzung, hätte sich nicht so extrem beeindrucken lassen, einfach nicht nachgedacht.

Aus dem Scheitern in solchen Momenten ziehen große Sportler die Motivation in Zukunft solche Fehler zu vermeiden. Felix Neureuther z.B. hat sich inzwischen gezielt mit einem Mentaltrainer erfolgreich auf Drucksituationen eingestellt. In einer Mannschaftssportart wie Fußball scheint sich das ganze Problem aufgrund von gruppendynamischen Prozessen zu multiplizieren. Lassen einige Spieler die Köpfe hängen, zieht das die anderen mit runter. Im Negativen wie im Positiven („Wir haben einen Lauf!“).

Was bedeutet der 7:1 Sieg für das WM-Finale?

Wie bereits in den Interviews nach dem Spiel zu hören war, ordnen die DFB-Spieler und Verantwortlichen das Geschehene richtig ein und verfallen nicht dem Glauben der Sieg sei allen durch das überragende Auftreten der Deutschen zustande gekommen. Sicher hat die die DFB-Elf stark gespielt. Wegen dem brasilianischen Blackout erschien am Ende ein Spielstand auf der Anzeigetafel der sicher nicht das wahre Kräfteverhältnis der Teams wiederspiegelt.

Im Finale trifft Deutschland nun auf die Niederlande/Argentinien. Ein neues Spiel unter anderen Vorzeichen. Argentinien hat von der WM2010 auch noch ein Debakel im Hinterkopf….

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Wie viel BVB passt in die Nationalelf? – die WM im Blick – Update 16.10. –

Für den Länderspiel-Doppelpack gegen Irland und die Schweden waren zunächst sind mit Marco Reus, Mats Hummels und Sven Bender drei Profis des BVB nominiert. Marcel Schmelzer war kein Thema wegen seinem Muskelfaseriss. Reus und Bender mussten letztlich wegen einer Sprungelenksverletzung (Reus) und einer „Ganzkörperprellung“ (Bender) absagen. Dazu kommt noch Ilkay Gündogan, der momentan längerfristig am Rücken verletzt ist.

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Hummels und Bender – gemeinsam für den DFB?

Im Hinblick auf die WM in Brasilien stellt sich die Frage nach den Aussichten der BVB-Spieler für die erste Elf.

Außenseiter-Chancen auf eine Kader-Nominierung bei der WM haben Kevin Großkreutz und Roman Weidenfeller. Beiden räumte Löw vor kurzem eine Chance ein. Weidenfeller ist laut BILD ein Thema für den Länderspiel-Doppelpack gegen Italien und England Mitte November.

Marco Reus

Nicht nur Aufgrund des Ausfalls von Lukas Podolski dürfte Marco Reus seinen Platz auf der linken Offensiv-Seite relativ sicher haben. Nach der EM 2012 verdrängte Marco Reus den bisher gesetzten Arsenal-Profi von seinem Stammplatz. Reus ist meiner Meinung nach der komplettere, talentiertere Fußballer. Er spielt dynamischer und hat spätestens seit er in Dortmund ist seine Defensiv-Fähigkeiten verbessert. Für Podolski dürfte es schwer werden seinen Platz zurück zu erobern, zumal er für die komplette Hinrunde der Saison wegen einem Muskelbündelriss ausfallen wird. Neu-Londoner André Schürrle wird sicherlich Druck auf Reus machen, wenn er bei Chelsea durchstarten sollte. Schürrle ist allerdings flexibler als Podolski und kann offensiv links wie rechts und auch als Mittelstürmer, wie er es im jüngst im Spiel ManU gegen Chelsea tat,  eingesetzt werden. André Schürrle befeurete mit seinem Dreierpack gegen Schweden in Abwesenheit von Reus den Konkurenzkampf. Das Selbstbewusstsein des Chelsea-Stammspielers, gibt ihm anscheinend einen richtigen Schub. Man darf bis zur WM gespannt sein, wer sich auf der linken Außenbahn durchsetzt. Ich sehe bei Reus in Sachen Defensivarbeit kleine Vorteile.

Marcel Schmelzer

Defensiv  hinter Marco Reus bewirbt sich Marcel Schmelzer um die Position des Linksverteidigers. Trotz der wenig lobenden Aussagen des Bundestrainers „…wir können uns keinen anderen schnitzen und werden die nächsten Monate mit Marcel weiterarbeiten…“ scheint Schmelzer gute Karten im Kampf um die Position des linken Verteidigers zu haben. Sein Glück: Gute Linksverteidiger sind im Profifußball und in Deutschland erst recht, rar gesät.

Als Konkurrenten kommen eigentlich nur Dennis Aogo und Marcel Jansen in Frage. Aogo wurde zuletzt für die USA-Reise nominiert. Doch eigentlich war er nach mehrmaligen Tests in der Nationalelf, für zu schwach befunden worden. Nach seinem Wechsel zu Schalke 04 kann er sich in der Champions League beweisen und findet vielleicht zu neuer Stärke. Im Chaos beim HSV war er zuletzt ein Schatten seiner selbst. Spielt er regelmäßig und zeigt gute Leistungen, kann er Schmelzer Konkurrenz machen.

Marcel Jansen hingegen spielt weiter beim HSV und kann sich deshalb nicht international präsentieren, ein klarer Nachteil im Kampf um den Platz in der Nationalelf. Zudem wird er immer wieder von Verletzungen geplagt. Unter anderem deswegen fehlt ihm zudem die Konstanz.

Im Moment sehe ich Schmelzer leicht vor Jansen, der gegen Schweden ein solides Spiel ablieferte. Die Saison wird zeigen wer sich durchsetzt.

Eine weitere Alternative stellt ein gelernter Innenverteidiger wie Boateng oder Höwedes, dar. Je nach Gegner könnte Löw auch auf diese Variante zurückgreifen. Lars Bender kann im Notfall auch eine Option sein. Allerdings denke ich versucht Löw die Position, gerade wegen der Unterstützung der Offensive mit einem gelernten Linksverteidiger zu besetzen.

Schmelzer könnte mit Reus ein eingespieltes Duo bilden. Das könnte ein entscheidender Vorteil für Marcel Schmelzer werden.

Meine Einschätzung: Schmelzer wird sich knapp durchsetzen und einen soliden Linksverteidiger geben.

Mats Hummels

Zusammen mit Holger Badstuber bildete Mats Hummels bei der Euro 2012 ein starkes Innenverteidiger-Duo. Nach der schweren Verletzung von Badstuber, die ihn wahrscheinlich auch die WM kosten wird, rückt Hummels auf die linke Seite der Innenverteidigung, die er vom BVB kennt. Jogi Löw muss nun für die WM 2014 ein starkes Paar für die Innenverteidigung finden.

Mats Hummels hatte er in der letzten Saison etwas mit der Konstanz zu kämpfen, aber ruft er sein Potential voll ab, ist er der kompletteste Innenverteidiger Deutschlands. Gerade im Spielaufbau macht ihm keiner was vor, auch wenn er auf die langen hohen Bälle beim DFB verzichten muss.

Die drei Länderspiele gegen Österreich, Faröer und Irland bestritt die DFB-Elf ohne Gegentor in der Besetzung Boateng/Mertesacker. Allerdings sollten diese Gegner nicht der Maßstab sein. Die Spiele im November werden schon eher als Standortbestimmung dienen. Gegen Schweden mit dem Duo Hummels/Boateng gabe es wieder drei Gegentore. Dabei war allerdings auch wieder das defensive Mittelfeld beteiligt.

Mertesacker, ein bisschen die alte Schule der Innenverteidiger, vereint Erfahrung und gutes Stellungsspiel. Außerdem kann er nach so vielen Jahren bei der Nationalmannschaft eine Führungsrolle im Defensiv-Verbund einnehmen. Hummels im Übrigen gilt auch nicht als pfeilschnell, beherrscht aber normalerweise ein gutes Stellungsspiel und antizipiert viele Spielsituationen. Boateng kämpft bei Bayern im Endeffekt mit Martinez und van Buyten um seinen Stammpatz in der Innenverteidigung.  Ich denke aber er wird allein schon wegen der Rotation bei Bayern genügend Spiele machen. Mit Boateng, Hummels und Mertesacker hat der DFB drei Innenverteidiger von internationalem Format zur Verfügung. DIe Fragen sind: Findet Hummels zu seiner Top-Form? Kann Boateng sich bei Bayern einen Stammplatz erobern? Bleibt Mertesacker verletzungsfrei und spielt eine gute Saison bei Arsenal?

Höwedes, eine mögliche vierte Alternative,  kam in der Nationalmannschaft nur selten auf der Innenverteidiger-Position zum Einsatz. Er könnte der Back-Up während der WM werden. Zudem kann er im Notfall auch einen defensiv-ausgerichteten Links- oder Rechtsverteidiger geben.

Momentan schein Löw die Besetzung Mertesacker/Boateng vorne zu sehen. Im Saisonverlauf kann vieles passieren. Es wird bis zur WM ein Kopf-an-Kopf Rennen.

Sven Bender

Nach der EM 2008 hat Jogi Löw laut eigener Aussage den „klassischen Sechser“ (z.B. Frings) abgeschafft. Seit dem setzt er auch spielende Typen wie Schweinsteiger, Kroos, Khedira oder Gündogan. Hauptsache sei laut Löw „dass die Sechser-Position immer besetzt ist, egal wer mit nach vorne geht“. Also spielt Deutschland quasi mit zwei spielstarken Achtern von denen einer immer tiefer stehen sollte und absichert. Dafür ist allerdings eine sehr gute Abstimmung nötig. Vergleichbar ist die mit einer Aufstellung von Sahin und Gündogan beim BVB.  Zwei spielstarke Akteure im defensiven Zentrum machen das Spiel schwieriger ausrechenbar und variabler. Defensiv ist dies allerdings riskanter. Für Mats Hummels bedeutet dies z.B. in der Nationalmannschaft, dass er nicht so abgesichert wird wie beim BVB, wenn er mit nach vorne geht. Beim BVB lässt sich dann Sven Bender fallen und rückt in die Innenverteidigung. In der Nationalmannschaft geht dies nicht, da ein Kroos oder Gündogan dafür einfach nicht geschaffen sind. Somit heißt das für Sven Bender, dass er als Einwechseloption dienen könnte, wenn ein Spielstand, z.B. 1:0, gehalten werden muss und er für Stabilität sorgen soll. Dazu kommt noch, dass er seinem Bruder sehr ähnlich ist. Lars spielt allerdings etwas offensiver.

Für Sven Bender könnte es zu einem Kaderplatz reichen, zu mehr aber nicht.

Vielleicht muss Löw noch etwas von seiner Offensiv-Philosophie abrücken und setzt auf einen defensiveren Akteur vor der Abwehr. Dann würde Sven Bender in den Fokus rücken.

Ilkay Gündogan

Ilkay Gündogan konnte zuletzt mit starken Leistungen bei der Nationalelf auf sich aufmerksam mache. Im Länderspiel gegen Frankreich im Februar konnte einen Assist zum 2:1 Sieg beisteuern. Da Schweinsteiger die letzten 12 (!!!) Freundschafts-Länderspiele ausgelassen hat, hatte Ilkay die eine oder andere Chance sich zu präsentieren. Er ist natürlich ein anderer Spielertyp als Schweinsteiger. Gündogan leitet das Spiel nicht aus der Tiefe heraus, sodern gilt wie Khedira eher als Box-to-Box-Player, der sich zwischen dem eigenen und gegenerischen Sechzehner bewegt. Gündogan besticht durch seine gute Technik und Übersicht. Für Schweinsteiger spricht die Erfahrung und die Leader-Qualitäten. Ist er fit sollte er auch gesetzt sein. Ein nicht fitter Schweinsteiger konnte bei der EURO 2012 der deutschen Elf nicht weiterhelfen. Gündogan wäre der erste Kandidat um Schweinsteiger zu ersetzen. In drei bis vier Jahren wird er ihn vieleicht altersbedingt ablösen.

Für Ilkay Gündogan muss auf eine Schwäche von Schweinsteiger hoffen. Um ihn jetzt schon komplett zu verdrängen, fehlen ihm die Leader-Qualitäten und die Erfahrung, die bei einem Turnier wichtig werden können.

Seine Verletzung zieht sich wahrscheinlich bis Mitte November hin. Nach eine so langen Ausfallzeit ist es für ihn ersteinmal wichtig im Verein an seine alten Leistungen anzuknüpfen. Mit eine Rückrunde wie 2011/2012 könnte er Argumente sammeln.

Kevin Großkreutz und Roman Weidenfeller

Mögliche Überraschungen wie z.B. Odonkor sind ja nie ganz ausgeschlossen. Großkreutz könnte als flexible Allzweckwaffe und vielleicht als. Rechtsverteidiger-Back-Up eine Chance haben. Das ist allerdings eher unwahrscheinlich. Er wurde seit Februar 2011 nicht mehr nominiert. Der starke Auftritt gegen Marseille und so manches starke Spiel in der Liga ist auch Löw nicht entgangen und düfte seine Chancen wieder erhöht haben.

Bei Weidenfeller besteht die Möglichkeit, dass er als Nr.3 und ruhender Pol zur WM fährt. Klopp machte kürzlich in einer PK Andeutungen hinsichtlich einer möglichen bereits bestehenden Absprache mit Löw. Obwohl Löw sich laut BILD bereits auf eine Nominierung von Weidenfeller für die November-Spiele festgelegt hat, warten wir erstmal ab ob das auch so passiert.

Warten wir ab, wie sich die BVB—Akteure in den Qualifikations-Spielen präsentieren und ob sie ihren Platz beim DFB festigen können. Insgesamt bleibt zu hoffen, dass die Nationalelf ihr Gegentor-Problem in den Griff bekommt. Sonst wird es wieder nichts mit einem Titel. Zum Vergleich: Spanien kassierte sein letztes Gegentor in der KO-Runde eines WM oder EM-Turniers 2006 im Achtelfinale durch Zidane….

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Endlich wieder Bundesliga!

Stuttgart nicht unterschätzen!

Nach einer Woche mit zwei mehr oder weniger aufregenden WM-Qualifikationsspielen gegen Kasachstan steht in der Bundesliga der 27. Spieltag an. Dortmund kann in Stuttgart einen weiteren Schritt in Richtung Platz zwei machen und steht einmal mehr vor der Herausforderung sich nicht vom bevorstehenden Champions-League-Spiel, dem Viertelfinale in Malaga, ablenken zu lassen. In Stuttgart trifft der BVB auf den 15. der Heimtabelle und den 17. der Rückrundentabelle. Das soll aber bitte nicht dazu führen den Gegner zu unterschätzen und mal wieder ein 1:0 über die Zeit schaukeln zu wollen. Das geht dann sowieso wieder schief.

Bayerns Meisterschaft im Vorbeigehen

Mit einem Erfolg im Schwabenland könnte die vorzeitige Meisterschaft der Bayern immerhin hinausgezögert werden. Ein lohnenswertes Ziel. Gerade wenn man bedenkt, dass die Bayern angekündigt haben im Hinblick auf das Champions-League-Duell gegen Turin keinerlei (!) Feierlichkeiten stattfinden zu lassen. Der Titel wird in München eben als Pflicht und Routine gesehen. Wie muss man sich als Fan von so einem Verein fühlen? Gerade wenn ich mich zurück erinnere was in Dortmund nach den überraschenden Titeln los war, bin ich doch froh dass der BVB auch mal schwere Jahre zu überstehen hatte, die Meisterschaften dann um so heller strahlen lassen und zu ausgelassenen Feiern Anlass geben. Für eine Mentalität wie „Meisterschaft geholt, abhaken, weiter geht´s“ kann ich mich nicht begeistern. Das muss doch sehr seltsam für die Spieler sein die ihren ersten Meistertitel holen (Neuer, Mandzukic, Dante). Aber das soll nicht unser Problem sein.

Für Schalke gegen Hoffenheim wünsche ich mir ein Unentschieden. Die Kraichgauer wären damit dem Abgrund ein Stück näher und Schalke würde auf der Stelle treten. Beim Spiel Freiburg gegen Gladbach geht´s um die Europacup-Plätze. Nachdem was ich am letzten Spieltag in Gladbach gesehen habe schon erstaunlich. Augsburg als drittbester Rückrunden-Mannschaft traue ich einen Sieg gegen die auswärtsschwachen 96er zu.

Was von den Länderspielen hängen bleibt

Ronaldo fliegt mit nach Aserbaidschan und setzt sich trotz Sperre auf die Tribüne. Schweinsteiger hält es nicht für nötig sich das Spiel in Nürnberg vor Ort anzuschauen. Ohne Worte. Manuel Neuer übertreibt es mal wieder mit dem modernen Torwartspiel. Dazu muss aber gesagt werden, dass die vielen guten Angriffe und Tore die daraus resultieren weitaus weniger Beachtung finden als dieser peinliche Fehler. Das gute an Schweinsteigers Sperre war allerdings, dass Gündogan seine Qualitäten abermals unter Beweis stellen konnte und sein starkes Spiel mit seinem ersten Länderspieltor krönte. Götze als viel diskutierte „falsche Neun“ fand sich auch gut in Löws Kombinationsmaschinerie ein und erzielte in jedem Spiel je ein Tor. Béla Réthy sach in Kasachstan übrigens einen Bezirksligsten der wie in einem Pokalspiel gegen einen Bundsligisten antritt. Vielleicht etwas übertrieben, aber in Kern die Wahrheit. Wo wir bei Toren sind. Acht Treffer konnten BVB-Akteure an diesem Länderspieltag beisteuern. Vier für Deutschland (2xReus, Gündogan, Götze), Leitner mit dem 3:2 Siegtreffer für die U-20, sowie Lewandowski (2x) und Piszczek beim 5:0 gegen San Marino für Polen. Wann gab es so etwas schon mal?

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Mario Götze erzielt sein ersten BL-Tor am 2. Spieltag 10/11 gegen Stuttgart. Per Kopf!

Jetzt freuen wir uns schon mal auf das Spiel am Samstag in Stuttgart, welches leider ohne Kuba stattfinden wird. Als einziger BVB-Wermutstropfen, ging zog sich Kuba eine Adduktorenzerrung zu, die einen Einsatz gegen Malaga am Mittwoch dennoch zulassen sollte. Gegen Stuttgart wird Großkreutz seine Chance erhalten.

Als Einstimmung gibt’s heute Nachmittag hier die PK vor dem Stuttgart-Spiel.

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Die Chance für den BVB-Block! – Gündogan als Gefahr für Schweinsteiger?

Unter anderem aufgrund des Ausfalls von Schweinsteiger und Gomez werden heute vier Dortmunder Spieler in der Startformation der Nationalelf stehen. Schmelzer erhält erneut die Möglichkeit sich als Linksverteidiger zu etablieren. Mit Marcel Jansen sitzt ihm nun ein „neuer und alter“ Konkurrent im Nacken.

Am meisten freut man sich als BVB-Fan sicher über den Einsatz von Ilkay Gündogan, der seit der EM laut Löw die größte Entwicklung hinter sich hat. Schon gegen Frankreich beeindruckte seine Dynamik und Präsenz im Spiel. Wenn Bastian Schweinsteiger sich weiterhin so auf seinem Status als unangefochtene Galionsfigur ausruht, könnte das noch böse für ihn enden. Schon das Fehlen bei neun Freundschaftsspielen, zugegebenermaßen meist verletzungsbedingt, untermauert diesen Status nicht gerade. Jetzt folgte im Spiel in Kasachstan eine völlig unnötige gelbe Karte. Konsequenz: Herr Schweinsteiger ist gesperrt und kann nach München reisen um mit dem FC Bayern trainieren. Mal sehen ob er so klug ist und sich wenigstens auf der Tribüne zeigt. Von München bis Nürnberg ist ja keine Weltreise.

Ein Zusammenschnitt von Gündogans starken Aktionen im BVB-Dress:

Jogi Löw nimmt Ilkays Leistungen genau zu Kenntnis. Bis zur WM ist es noch lange hin. Sollte Schweinsteiger weiter darauf vertrauen, dass sein Status unantastbar sei, könnte das noch böse für ihn ausgehen. Man sollte sich natürlich zügeln und die BVB-Fanbrille absetzen. Dennoch glaube ich, dass Gündogan Schweinsteiger durchaus Konkurrenz machen kann. Einen nicht fitten Schweinsteiger wie bei der EURO 2012 auch 2014 einzusetzen kann sich Jogi sicher nicht erlauben. Da wird mindestens ein Schweinsteiger in der Form von 2010 nötig sein. Gündogan jedenfalls ist auf dem besten Weg ein großer zu werden. Er nimmt selbst bei seinen Einsätzen in der Nationalelf das Heft in die Hand und versucht Akzente zu setzen. Sicher ist Schweinsteiger ein anderer Spielertyp. Aber ich finde Ilkay passt besser ins dynamische Spiel Deutschlands. Bei Schweinsteiger hat man immer den Eindruck er möchte im Stile des „van Gaal-Fußballs“ mit vielen Querpässen das Spiel klug verlagern. Was gefragt ist sind dcoh eher vertikale, Pässe mit denen Tempo ins Spiel kommt. Im Gegensatz zu Gündogan wirkt mir Schweinsteiger, auch wenn er ein Stratege ist, zu sehr als Entschleuniger.

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Gefahr für Schweinsteiger? Ilkay Gündogan

Auf der linken Seite wird Marco Reus für Wirbel sorgen. Da brauchen wir uns keine Gedanken machen. Er wird seinen Weg gehen im Hinblick auf die WM. Podolski hat jedenfalls gegen Kasachstan gezeigt, dass er nicht mehr in die erste Elf gehört. Schade aber auch für Draxler der sich hätte empfehlen können, bei der Form die er derzeit hat.

Mario Götze spielt heute erneut in der Spitze. Gegen Kasachstan hatte er einige gute Aktionen, dazu das Tor. Nur bei einigen Szenen (Flanken) fiel auf, dass ein echter Mittelstürmer fehlt. Macht Mario so weiter und fügt sich gut ins Kombinations- und Positionswechselspiel ein, wird er Gomez auf jeden Fall Probleme bereiten.

Freuen wir uns auf ein Spektakel des BVB-Blocks!

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Wie viel BVB passt in die Nationalelf? – Teil 2: Mittelfeld/Sturm

Die Einsatzmöglichkeiten der Dortmunder Spieler sind abhängig von ihren jeweiligen Positionen im System der Nationalmannschaft. Wir gehen im Mittelfeld von zwei Sechsern bzw. Achtern im Zentrum sowie zwei offensiven Außenspielern und einem offensiven Mittelfeldspieler in der Zentrale aus. Dazu kommt ein Stürmer (4-2-3-1).

Götze Özil

Götze vor Özil, neben Özil oder für Özil?

EURO 2012 – Wer spielte wo?

Um für die Zukunft der Nationalelf eine Aussage treffen zu können blicken wir zunächst zurück zur EURO 2012 und den verschiedenen Aufstellungen im Mittelfeld/Sturm. Bei der EURO veränderte sich die Startelf im Gegensatz zu vorherigen Turnieren im Turnierverlauf erheblich. Grund dafür ist die Fülle von starken und teilweise sehr unterschiedlichen Spielertypen, die eine exakte Anpassung des eigenen Systems an die Spielweise des jeweiligen Gegners möglich macht.

Die Viererkette präsentierte sich während der EURO bis auf den Einsatz von Lars Bender als Rechtsverteidiger gegen Dänemark durchgehend in der Aufstellung Lahm, Badstuber, Hummels und  Boateng.

Die zentralen Mittelfeldspieler mit freier Aufgabenverteilung als 6er/8er blieben mit Schweinsteiger/Khedira komplett unverändert während des Turniers. Wobei Khedira eher offensiv/vertikal und Schweinsteiger eher defensiv/horizontal agierte. Schweinsteiger hatte zudem mit mangelnder Fitness zu kämpfen. Khedira überragte dagegen mit seiner Dynamik.

Die vier offensiven Spieler wurden ab dem Viertelfinale variabel an die Spielweise der Gegner angepasst.

Deutschland : Portugal 1:0, Deutschland : Niederlande 2:1, Deutschland : Dänemark: 2:1

Gomez

Podolski              Özil                        Müller

Deutschland : Griechenland 4:2 (Viertelfinale)

Klose

Schürrle               Özil                        Reus

Deutschland : Italien 1:2 (1. HZ) (Halbfinale)

Gomez

Podolski              Kroos                   Özil

Deutschland : Italien 1:2 (2. HZ)

Klose

Kroos                   Özil                        Reus

Gegen Griechenland harmonierten Reus und Özil sehr gut, da sie ihre Positionen zusammen mit Klose häufig veränderten und dadurch schwer zu fassen waren. Podolski kann nur seine Position auf Links oder maximal in der Spitze spielen, Rochaden auf Rechts sind mit ihm nicht zu machen.

Beim Italien-Spiel sollte Kroos Pirlo ausschalten, was zunächst auch gut funktionierte. Gomez und Podolski hingegen kamen überhaupt nicht ins Spiel. Mit den Halbzeit-Einwechslungen von Reus und Klose konnte Deutschland die Italiener mit Positionswechseln und Kombinationen vor Probleme stellen.

Ich glaube gerade der Unterschied des Griechenland-Spiels und der zweiten Halbzeit gegen Italien gegenüber der ersten Halbzeit gegen Italien machte Löw in seiner Aufarbeitung der EURO nachdenklich. Wie sollte man in Zukunft auftreten? Die große Anzahl an technisch, starken, variablen Offensivspielern muss für das deutsche Spiel besser genutzt werden. Der bei der EURO nicht fitte Götze sowie der immer stärker aufspielende Draxler kommen ja noch dazu.

Was bedeutet das für die zukünftigen Aufstellungen?

Zunächst wird Löw an seiner 6er/8er Kombination Schweinsteiger/Khedira festhalten. Gündogan überzeugte zwar gegen Frankreich und in der Champions-League. Gegen Frankreich konnte er als spielstarker sehr dynamischer Sechser/Achter glänzen. Aber um Schweinsteiger mit hundertprozentiger Fitness zu verdrängen reicht es einfach noch nicht. Khedira vereint starke Offensive mit defensiver Stärke. Sven Bender wäre dagegen die klar defensivere Absicherung die sich Hummels manchmal wünschen würde. Abhängig vom Spielverlauf könnte Bender hier auf Einsätze kommen. Er konkurriert dabei allerdings noch mit seinem (etwas offensiveren) Bruder.

Für die Einsätze auf den vier offensiven Positionen kommen vom BVB Großkreutz, Götze und Reus in Frage.

Für Kevin Großkreutz scheint die Tür zur Nationalmannschaft im Moment verschlossen zu sein. Beim BVB wird er zunehmend zum „Mädchen für Alles“. Damit kann er sich nicht auf einer Position für den DFB empfehlen. Zudem fehlt es an technischen Fähigkeiten. Ich finde trotzdem, dass so ein Spielertyp, der kämpft und ackert wenn es nötig ist und dazu das Pressing/Gegenpressing perfekt beherrscht bei einem Turnier wichtig werden könnte. Nur mit filigranen Technikern ein Turnier zu gewinnen scheint mir ein schöner Traum zu sein. Zur Not muss auch mal eine 1:0 Führung über die Zeit gebracht werden. Dafür wäre Kevin eine gute Alternative. Zudem könnte er mit seinem Umschaltspiel bei Kontern für Gefahr sorgen. Es bleibt abzuwarten ob Löw ihn nochmal beruft. Sein letztes Länderspiel war am 09.02.2011 gegen Italien.

Mario Götze kam nach einer langen Verletzung zur EURO und fand nicht zu seiner Top-Form. Zuvor hatte er einige starke Auftritte wie z.B. gegen Brasilien wo er auf der Zehn für Özil spielte und mit einem Traumtor sowie einem Superspiel glänzen konnte.

In letzter Zeit wurde Götze z.B. gegen die Niederlande von Beginn an als „falsche Neun“ getestet. Löw experimentiert hier ganz klar wie er Götze einbauen kann. Reus, Özil und Müller scheinen dahinter gesetzt zu sein. Im Sturm ergibt sich mit Gomez der nicht 100% in die Philosophie passt, da er nicht ganz so kombinationsstark und wendig ist, und dem alternden Klose eine Möglichkeit für Götze. Zudem empfiehlt sich kein junger Stürmer für diese Rolle. Petersen oder Volland könnten, wenn sie noch eine Sprung machen eine Option werden. Möglicherweise sogar Lassogga. Kießling hingegen wird kein Länderspiel mehr machen, da ihm auf internationalem Niveau die Klasse fehlt und er als Spielertyp (braucht viele Flanken) nicht zu Löws Plan passt. Die Experten von Spielverlagerung.de gehen davon aus, dass Löw gegen Nationen mit starken Innenverteidigern eher auf Gomez oder Klose setzt, da diese im Angriffspressing stärker sind. Wobei Götze da auch seine Qualitäten hat. Mit Götze könnten alle vier offensiven Spieler ihre Positionen flexibel interpretieren.

Marco Reus konnte sich nach der EURO als Stammspieler etablieren. Meiner Meinung nach ist dies eine Folge von Löws EURO-Aufarbeitung, bei der Reus gut weggekommen sein sollte. Reus spielte nach der EURO sofern er fit war meist auf der linken Außenbahn, wie auch beim BVB. Gegen Irland erzielte er beim 6:1 einen Doppelpack. Er hat ganz klar Podolski verdrängt. Schürrle dürfte zunächst auch erst einmal hinten anstehen und als Einwechseloption dienen. Reus besticht durch seine gefährlichen Standards, Tempodribblings und seine gute, präzise Schusstechnik (siehe Tor gegen Griechenland bei der EURO)

Starker Auftritt von Reus gegen Irland beim 6:1

Fazit:

Für mich sind Hummels und Reus, wenn sie fit sind, gesetzt. Schmelzer muss in den kommenden Länderspielen überzeugen. Er hat eigentlich keine Konkurrenz. Es stehen sonst nur gelernte Innenverteidiger auf Links zur Verfügung.

Gündogan und Bender sind auch nur Optionen wenn Khedira oder Schweinsteiger ausfallen. Wobei Gündogan die Nase vorn hat, nicht zuletzt wegen des Frankreich-Spiels.

Götze steht an der Grenze zur Startelf. Je nachdem ob Löw auf einen echten Stürmer setzt oder das spanische System favorisiert. Kloses zunehmende Verletzungsanfälligkeit könnte Götze mehr Chancen eröffnen. Wer weiß außerdem ob Gomez in Zukunft bei Bayern oder woanders genug Spielpraxis bekommen wird. Demnach hat Götze gute Karten, gerade wenn er in den kommenden Spielen überzeugt. Bei allem Hurra-Fußball muss allerdings die Defensive oberste Priorität haben. Spanien ist seit 10 (!) K.O.-Spielen ohne Gegentor. Zidane war 2006 der letzte der in K.O.-Spielen gegen sie traf. Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive…

Warten wir mal ab wie die Spiele gegen Kasachstan verlaufen und ob die BVB-Spieler sich empfehlen können.

Teil 1 der Analyse mit Torwart und Viererkette gibt es hier:

https://vollgasveranstaltung.wordpress.com/2013/03/20/wie-viel-bvb-gehort-in-die-nationalelf-teil-1-viererkette/

Quellen: kicker.de, transfermarkt.de, spielverlagerung.de, youtube.de, dfb.de

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